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F: Was stand an erster Stelle: die Theorie oder die Forschung?
A: Jeder wissenschaftliche Prozess – die Entwicklung des Instrumentariums für ein NGE-Gemeindeprofil ist da keine Ausnahme – besteht aus einer sich ständig fortsetzenden Abfolge von Forschungsprojekten, die bestimmte Theorien verifizieren oder falsifizieren, was wiederum zu neuen Theorien führt, die ihrerseits durch weitere Forschung überprüft werden. Ganz am Anfang dieses Prozesses ist immer eine anfängliche Theorie nötig – eine Hypothese – auf deren Basis es überhaupt erst möglich ist, einen ersten Fragebogen zu entwickeln.
Die Fragenliste, die wir 1987 für unsere ersten Gemeindewachstums-Untersuchungen benutzen, ergab sich primär aus dem Studium der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Gemeindewachstums-Literatur. Bei der Entwicklung des ersten Fragebogens versuchten wir, diejenigen Aspekte, die alle Bücher gemeinsam hatten, zusammenzuführen. Die für die Öffentlichkeit sichtbarste Stufe war dabei das internationale Forschungsprojekt, das NCD International zwischen 1994 und 1996 unter der Leitung von Christoph Schalk durchführte. Es gab allerdings auch vor und nach diesem Projekt wichtige Stufen in der Entwicklung des Fragebogens.
Während die Zahl der Veränderungen zwischen den einzelnen Stufen (also die Zahl der Aspekte, die durch nachfolgende Forschung falsifiziert wurden) zu Anfang relativ hoch war, ist sie nun – nachdem mehr als 60.000 Gemeinden untersucht wurden, beträchtlich kleiner. Allerdings wird die Theorie niemals "fertig" sein. Wir werden auch in Zukunft fortfahren, sie immer besser an neue Einsichten, die wir durch die Forschung gewinnen, anzupassen.
F: Gibt es ein bestimmtes Gemeindemodell, das – aus der Sicht von NGE – anderen überlegen ist?
A: Nein. Unsere Forschung zeigt deutlich, dass jedes Gemeindemodell in dem Maße erfolgreich sein wird, wie diejenigen Prinzipien zum Einsatz kommen, für die wir den Namen "Natürliche Gemeindeentwicklung" gewählt haben.
F: Welche Denominationen haben sich bislang auf NGE eingelassen?
A: Derzeit haben wir auf internationaler Ebene mehr als 100 Denominationen in unserer Datenbank, aus denen Gemeinden ein Gemeindeprofil erhoben haben. Mit Sicherheit sind es real noch sehr viel mehr, aber die jeweiligen Denominationen sind möglicherweise zu klein, so dass wir sie nicht einer der Hauptkategorien zuordnen konnten. Diese Denominationen repräsentieren die unterschiedlichsten Traditionen, Charismatiker wie Nichtcharismatiker, Fundamentalisten wie Liberale, Landes- wie Freikirchen.
F: Was sind die theologischen Grundlagen von NGE?
A:
Es ist das trinitarische Paradigma, wie es ausführlich in den
Büchern "Farbe bekennen mit Natürlicher Gemeindeentwicklung" und
"Die dreifache Kunst, Gott zu erleben" dargestellt wird.
Es ist nicht nur verständlich, sondern auch notwendig, dass jede
Denomination oder Gemeindeverband eine "engere" theologische Basis
hat, die ihre jeweiligen Werte und Überzeugungen widerspiegelt.
A: In diesem Fall brauchen Sie keine Stichprobe auszuwählen, sondern
können 100% der an der Gemeinde beteiligten befragen.
In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass in kleinen Gemeinden die
Situation oftmals überschaubarer ist und die Schwerpunkte der
Gemeindearbeit ohne vorherige Analyse gesetzt werden können. Die
Entwicklung der 8 Qualitätsmerkmale ist auch für kleine Gemeinden
notwendig. Ob aber eine umfassende Analyse ein wesentlicher Schritt
dabei ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.
A: Ja, unbedingt! In vielen Fällen ist eine Stichprobe von 30 Teilnehmern an der Befragung ausreichend, um ein umfassendes Bild von der Gemeindesituation zu bekommen. In größeren Gemeinden kann es aber sinnvoll sein, mehr Teilnehmer auszuwählen, um Mitarbeiter aus allen Gemeindebereichen zu integrieren. Aktuell können bis zu 100 Fragebögen pro Gemeindeprofil bearbeitet werden.
A:
Der
NGE-Fragebogen wurde dazu entwickelt, den Kern einer Gemeinde zu
analysieren. Werden Randpersonen des Gemeindelebens in das
Fragebogenverfahren einbezogen, werden die Ergebnisse dadurch
verfälscht und verlieren ihre Aussagekraft.
Ziel des NGE-Gemeindeprofils ist es, den "Minimumpunkt" derer
zu finden, die aktiv das Gemeindeleben gestalten. Und dieser Gruppe
fällt es auch am leichtesten, die Arbeit der Gemeinde zu bewerten,
da sie diese erlebt. Die Normierung sorgt dann dafür, dass das
Ergebnis nicht ein subjektives "Bild" derer ist, die die Gemeinde
"gut finden", sondern eine objektive Einschätzung der Gemeindearbeit
für die 8 Qualitätsmerkmale darstellt.